Leben durch bewusste Atemkontrolle verändern
Breathwork entdecken:
Ein verborgener Schatz
Während wir uns bewusst darum bemühen, unsere Gesundheit zu verbessern, bleiben bestimmte automatische Prozesse, wie die Atmung, oft unbeachtet. Jedes Lebewesen ist auf den Austausch von Sauerstoff und Kohlendioxid angewiesen, um die Gesundheit der Zellen und ihre reibungslose Funktion aufrechtzuerhalten.
Obwohl die Atmung automatisch abläuft und vom autonomen Nervensystem gesteuert wird, besitzt die Art und Weise, wie wir atmen, eine enorme Wirkung.
Beobachte einmal ganz bewusst deinen eigenen Atem. Suche dir einen ruhigen Ort, lehne dich zurück und nimm wahr, wie du atmest.
Sind deine Atemzüge flach und vor allem im Brustraum spürbar oder tief und füllen sie den Bauch?
Genau diese feinen Unterschiede unserer Atemmuster bilden die Grundlage von Breathwork und eröffnen einen Zugang zu mehr Wohlbefinden.
Atemtechniken zur Beruhigung des Nervensystems
Unser zentrales Nervensystem, durchzogen von unzähligen Nerven, die nach Ruhe verlangen, gerät durch falsches Atemverhalten häufig unter Stress.
Das Erlernen gezielter Breathwork-Techniken kann dabei helfen, innere Ruhe zu finden und sich wieder geerdeter zu fühlen.
Eine besonders einfache und effektive Methode ist das sogenannte Box Breathing. Dabei werden Einatmen, Atemhalten, Ausatmen und erneutes Halten jeweils gleich lang ausgeführt.
Auch die Wechselatmung ist eine wirkungsvolle Praxis. Mit regelmäßiger Anwendung kann sie zu einem ausgeglicheneren Nervensystem beitragen, das weniger stark auf Stress reagiert. Sie wird zudem mit einem ruhigeren Herzschlag und einem entspannteren Umgang mit stressigen Situationen in Verbindung gebracht.
Die lebensverändernde Kraft der bewussten Atmung
Die zahlreichen Vorteile kontrollierter Atmung werden sowohl durch persönliche Erfahrungen als auch durch wissenschaftliche Erkenntnisse gestützt. Doch wie lässt sich das volle Potenzial dieser Techniken nutzen?
Forschungsergebnisse heben drei spezifische Atemmuster hervor: ein schnelles Einatmen mit anschließender verlängerter Ausatmung, ein langsames Ein- und Ausatmen in höherem Tempo sowie eine ausgeglichene, gleichmäßige Atmung. Besonders wirksam hat sich die Technik des schnellen Einatmens mit langsamer Ausatmung erwiesen (2 Sekunden ein, 8 Sekunden aus). Sie wird mit einer deutlichen Reduktion von Angstsymptomen auf körperlicher wie auch mentaler Ebene in Verbindung gebracht.
Bei Phasen schnellen Atmens wird das autonome Nervensystem stärker aktiviert, was zu einer vermehrten Ausschüttung von Adrenalin führen kann. Dieser Prozess steht im Zusammenhang mit einer verstärkten entzündungshemmenden Reaktion des angeborenen Immunsystems. Eine Studie aus dem Jahr 2014 zeigte, dass Personen, die Breathwork praktizierten, weniger starke Entzündungsreaktionen auf schädliche Bakterien entwickelten als Personen ohne diese Praxis.
Probiere es selbst aus: Atme vier Sekunden ein und acht Sekunden aus.
Die verlängerte Ausatmung aktiviert das parasympathische Nervensystem und unterstützt einen Zustand tiefer Entspannung.
Viele Menschen sind jedoch an flache, schnelle Atmung gewöhnt, die unbewusst das Stresssystem aktiviert und Nervosität verstärken kann.
Atemtechniken für innere Ruhe
Wie lässt sich dieser Kreislauf durchbrechen?
Der erste Schritt ist das Bewusstsein für das eigene Atemmuster. Darauf folgt der Übergang zu sogenannter LSD-Atmung: (low, slow and deep) niedrig, langsam und tief.
Sich regelmäßig Zeit für diese Form der Atmung zu nehmen, kann einen tiefgreifenden Einfluss auf das innere Gleichgewicht haben.
Methoden wie kognitive Strategien, Ablenkung oder Therapie können zwar helfen, Stress zu bewältigen, greifen jedoch zu kurz, wenn die unmittelbare körperliche Stressreaktion – die Atmung – nicht einbezogen wird.
Mehr als mentale Bewältigung: die Kraft des Atems nutzen
Tiefe Atemübungen sind weithin für ihre gesundheitlichen Vorteile bekannt, unter anderem für die Senkung des Cortisolspiegels und die Stärkung des parasympathischen Nervensystems. Breathwork mit seinem Fokus auf wiederholte, intensive Atmung kann physiologische Veränderungen auslösen, unter anderem durch eine Verschiebung des Blut-pH-Werts infolge schneller Atmung, ein Prozess, der als respiratorische Alkalose bezeichnet wird.
Dabei geht es nicht nur um Sauerstoffaufnahme und Kohlendioxidabgabe, sondern auch um die verstärkte Freisetzung von Kohlendioxid durch beschleunigte Atmung.
Achtsame Atmung zur Stressreduktion
Jemandem in einer Stresssituation zu raten, langsam und tief zu atmen, ist mehr als eine Floskel. Es ist eine Praxis mit klarer physiologischer Wirkung, die Herzfrequenz und Nervensystem in Richtung Ruhe ausrichtet.
Achtsame Atemtechniken fördern Gelassenheit, stabilisieren die Herzfrequenzvariabilität und schaffen eine Grundlage für bessere körperliche und mentale Gesundheit.
Die Kombination mit Meditation und Yoga kann diesen Effekt weiter verstärken und dazu beitragen, Breathwork als wirksames Werkzeug für ganzheitliches Wohlbefinden zu etablieren.


